Übergabe & die ersten Tage mit Ihrem Hund
Die Adoption eines Hundes aus dem Tierschutz ist ein ganz besonderer Moment – für Sie ebenso wie für Ihren Hund. Gleichzeitig bedeutet die Ankunft im neuen Zuhause für viele Hunde eine enorme Umstellung. Neue Menschen, unbekannte Geräusche, fremde Gerüche und eine völlig neue Umgebung können anfangs verunsichern.
Mit diesem Leitfaden möchten wir Ihnen Sicherheit geben und Sie bestmöglich auf die Übergabe sowie die ersten Tage mit Ihrem neuen Familienmitglied vorbereiten. Viele Probleme lassen sich vermeiden, wenn man die erste Zeit ruhig, strukturiert und mit Geduld gestaltet.
Bitte lesen Sie sich alle Informationen aufmerksam durch. Sie dienen vor allem der Sicherheit und dem Wohl Ihres Hundes.
Die Übergabe am Transporter (Trapo)
Unsere Hunde reisen per organisiertem Straßentransport nach Deutschland. Die Übergabe am Transporter ist ein besonders sensibler Moment, denn für viele Hunde bedeutet die lange Reise enormen Stress.
Auch Hunde, die ruhig oder freundlich wirken, können in dieser Situation plötzlich panisch reagieren. Deshalb ist eine sichere und strukturierte Übergabe besonders wichtig.
Verantwortung während der Übergabe
Bis Ihr Hund sicher in Ihrem Fahrzeug sitzt, liegt die Verantwortung vollständig beim Fahrer des Transportes.
Das bedeutet:
- Der Fahrer sichert den Hund im Transporter.
- Der Fahrer legt Sicherheitsgeschirr und Zugstopphalsband korrekt an, sofern dies nicht bereits erfolgt ist.
- Die Leine wird ausschließlich durch den Fahrer befestigt.
- Der Hund wird nur vom Fahrer aus dem Transporter geholt.
- Der Fahrer begleitet den Hund gesichert bis zu Ihrem Fahrzeug.
Erst wenn Ihr Hund sicher in Ihrem Auto sitzt, geht die Verantwortung auf Sie über.
Bitte greifen Sie während der Übergabe nicht eigenständig ein und übernehmen Sie den Hund erst, wenn der Fahrer Ihnen das Signal dazu gibt. Diese Abläufe dienen ausschließlich der Sicherheit aller Beteiligten.
Warum die Sicherung so wichtig ist
Die ersten Minuten nach der Ankunft sind die gefährlichsten. Viele Hunde kennen ihre neuen Menschen noch nicht und reagieren aus Angst instinktiv mit Flucht.
Deshalb gilt:
⚠️ Ein Hund darf zu keinem Zeitpunkt ungesichert sein.
Jeder Hund sollte bei der Übergabe:
- ein gut sitzendes Sicherheitsgeschirr
- und zusätzlich ein Zugstopphalsband tragen.
Das Zugstopphalsband wirkt auf viele Menschen zunächst ungewohnt. Richtig eingestellt verhindert es jedoch, dass sich ein panischer Hund aus dem Halsband herauswindet. Genau das kann im Ernstfall Leben retten.
Ablauf am Haltepunkt
Damit die Übergabe ruhig und sicher ablaufen kann, bitten wir Sie, die organisatorischen Hinweise unbedingt zu beachten.
Vorab erhalten Sie eine Liste der Hunde, die an Ihrem Haltepunkt aussteigen. Bitte beobachten Sie eigenständig, wie viele Hunde bereits übergeben wurden, und kommen Sie erst dann zum Transporter, wenn Sie an der Reihe sind.
Bis dahin bleiben Sie bitte möglichst in Ihrem Fahrzeug – auch dann, wenn der Transporter noch nicht angekommen ist.
Warum ist das wichtig?
Menschenansammlungen bedeuten zusätzlichen Stress für die Hunde und erschweren den Fahrern ihre Arbeit. Außerdem helfen ruhige Übergaben dabei, unnötige Verzögerungen oder Kontrollen zu vermeiden.
Eine ruhige Atmosphäre schützt:
- die Hunde,
- die Fahrer,
- und alle wartenden Familien.
Die ersten Tage im neuen Zuhause
Die ersten Tage nach der Ankunft sind entscheidend für den Vertrauensaufbau. Ihr Hund muss nun:
- den Reisestress verarbeiten,
- sich an neue Geräusche gewöhnen,
- Sicherheit entwickeln,
- und lernen, dass er Ihnen vertrauen kann.
Bitte erwarten Sie in den ersten Tagen nicht zu viel. Manche Hunde suchen sofort Nähe, andere ziehen sich zunächst zurück. Beides ist vollkommen normal.
Ruhe statt Besuch
Ihr Hund braucht jetzt vor allem eines: Ruhe.
Bitte verzichten Sie in den ersten Tagen möglichst auf:
- Besuch,
- große Familienfeiern,
- viele neue Eindrücke,
- oder längere Ausflüge.
Auch wenn Freunde und Familie Ihren neuen Hund kennenlernen möchten: Für den Hund ist zunächst wichtig, in Ruhe anzukommen und Bindung aufzubauen.
Je ruhiger die ersten Tage verlaufen, desto leichter fällt Ihrem Hund die Eingewöhnung.
Sicherheit hat oberste Priorität
Gerade in den ersten Wochen besteht bei vielen Tierschutzhunden eine erhöhte Fluchtgefahr.
Ein Hund, der sich erschrickt oder unsicher fühlt, kann innerhalb von Sekunden weglaufen – selbst wenn er zuvor freundlich oder entspannt gewirkt hat.
Deshalb gilt besonders in der Anfangszeit:
- doppelte Sicherung mit Geschirr und Zugstopphalsband,
- Leine niemals abnehmen,
- keine Freiläufe,
- auch nicht in vermeintlich sicheren Gebieten.
Ein Hund gilt erst dann als wirklich sicher, wenn:
- eine stabile Bindung entstanden ist,
- keine panischen Reaktionen mehr auftreten,
- und der Hund zuverlässig ansprechbar bleibt.
Das kann je nach Hund Wochen, Monate oder in einzelnen Fällen sogar länger dauern.
Bitte unterschätzen Sie diese Gefahr nicht. Viele entlaufene Hunde passieren in den ersten Tagen nach der Adoption.
Registrierung bei TASSO e.V.
Bitte melden Sie Ihren Hund möglichst sofort bei TASSO e.V. an.
TASSO hilft dabei, entlaufene Tiere schnell wieder ihren Familien zuzuordnen. Jährlich werden dadurch zehntausende Tiere erfolgreich zurückvermittelt.
Lieber einmal zu vorsichtig sein als einen vermissten Hund suchen zu müssen.
Der sichere Rückzugsort
Bereiten Sie Ihrem Hund einen ruhigen und geschützten Schlafplatz vor.
Ideal ist:
- eine ruhige Ecke,
- ohne ständigen Durchgangsverkehr,
- mit etwas Überblick über den Raum,
- und ohne Überraschungen „von hinten“.
Viele Hunde suchen sich ihren Lieblingsplatz zunächst selbst aus. Wenn dieser Platz für Sie passend ist, sollten Sie diese Entscheidung respektieren.
Der Rückzugsort vermittelt Sicherheit – besonders in den ersten Tagen.
Wichtig für Familien mit Kindern
Wenn sich der Hund auf seinen Platz zurückzieht, darf er dort nicht bedrängt oder gestört werden.
Dieser Bereich ist seine persönliche Sicherheitszone.
Kinder sollten lernen, dass Ruhephasen wichtig sind und der Hund dort ungestört bleiben darf.
Umgang mit einem ängstlichen Hund
Viele Hunde aus dem Tierschutz kennen das Leben im Haus nicht oder haben schlechte Erfahrungen gemacht. Manche Hunde kennen:
- keine Haushaltsgeräusche,
- keine Spaziergänge an der Leine,
- keinen engen Menschenkontakt,
- oder keine alltäglichen Umweltreize.
Deshalb reagieren einige Hunde anfangs vorsichtig oder unsicher.
Was Sie vermeiden sollten
Bitte:
- den Hund nicht anstarren,
- sich nicht frontal über ihn beugen,
- ihn nicht ungefragt anfassen,
- und ihn nicht bedrängen.
Aus Hundesicht wirken solche Situationen oft bedrohlich.
Besser ist:
Nähern Sie sich ruhig und seitlich. Sprechen Sie leise und freundlich. Bieten Sie Ihre Hand zum Schnuppern an und lassen Sie dem Hund die Möglichkeit, selbst Kontakt aufzunehmen.
Weicher Blickkontakt oder langsames Blinzeln wirken auf Hunde oft deutlich beruhigender als direktes Fixieren.
Was tun bei Angst?
Wenn Ihr Hund Angst zeigt, ist Ruhe besonders wichtig.
Versuchen Sie bitte nicht:
- übermäßig zu trösten,
- den Hund ständig zu bemitleiden,
- ihn dauernd hochzunehmen,
- oder ihn mit intensivem Streicheln zu beruhigen.
Aus Sicht des Hundes kann übermäßiges Trösten die Unsicherheit sogar bestätigen.
Viel wichtiger ist:
Bleiben Sie ruhig, gelassen und souverän. Ihre Ruhe vermittelt Sicherheit.
Nähe und Vertrauen entstehen mit der Zeit
Vertrauen kann man nicht erzwingen.
Bitte ziehen Sie den Hund nicht aus seinem Körbchen und drängen Sie ihn nicht zu Nähe oder Körperkontakt. Lassen Sie ihm Zeit, selbst auf Sie zuzukommen.
Viele Hunde beobachten ihre Menschen zunächst aus sicherer Entfernung. Mit Geduld und einem ruhigen Alltag entsteht Bindung oft ganz von allein.
Hunde sind soziale Wesen. Sobald sie sich sicher fühlen, wächst meist auch der Wunsch nach Nähe und Kontakt.
Fütterung & Leckerlis
Gerade in der Anfangszeit können hochwertige Leckerlis helfen, Vertrauen aufzubauen.
Gut geeignet sind zum Beispiel:
- kleine Käsewürfel,
- etwas Leberwurst,
- oder gekochter Schinken.
Bitte vermeiden Sie unbedingt:
- rohes oder nicht vollständig gegartes Schweinefleisch,
- Schokolade,
- Weintrauben oder Rosinen.
Einige dieser Lebensmittel können für Hunde hochgiftig sein und schwere gesundheitliche Schäden verursachen.
Realistische Erwartungen an Ihren Hund
Jeder Hund bringt seine eigene Geschichte mit.
Dazu gehören:
- Erfahrungen,
- Ängste,
- Gewohnheiten,
- und eine ganz eigene Persönlichkeit.
Nicht jeder Hund:
- möchte sofort angefasst werden,
- läuft entspannt an der Leine,
- versteht sich direkt mit anderen Tieren,
- oder kennt das Leben im Haus.
Bitte geben Sie Ihrem Hund Zeit, zu lernen und anzukommen.
Viele Verhaltensweisen entwickeln sich erst mit Vertrauen, Struktur und Sicherheit.
Wichtig ist vor allem Geduld – nicht Perfektion.
Verantwortung fürs ganze Hundeleben
Die Adoption eines Hundes ist keine kurzfristige Entscheidung, sondern Verantwortung für viele Jahre.
Bitte bedenken Sie, dass sich Lebenssituationen verändern können – etwa durch Umzug, Familienzuwachs oder berufliche Veränderungen.
Ein Hund sollte trotzdem dauerhaft Teil der Familie bleiben.
Wir sind ein gemeinnütziger Tierschutzverein und arbeiten überwiegend ehrenamtlich. Gleichzeitig lassen wir unsere Hunde und Adoptierenden auch nach der Vermittlung nicht allein.
Sollte eine Abgabe irgendwann wirklich unvermeidbar sein, nehmen wir unsere Hunde selbstverständlich zurück und kümmern uns um eine sichere und passende Weitervermittlung.
Unterstützung anzunehmen ist wichtig
Niemand muss alles sofort perfekt können.
Informieren Sie sich frühzeitig über:
- gute Hundetrainer,
- sinnvolle Fachliteratur,
- oder Trainingsmöglichkeiten in Ihrer Nähe.
Gerade bei unsicheren oder ängstlichen Hunden kann professionelle Unterstützung sehr hilfreich sein.
Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche – sondern von Verantwortungsbewusstsein.
Abschließende Worte
Mit Geduld, Ruhe, Verständnis und klaren Strukturen wächst Vertrauen Schritt für Schritt.
Ihr Hund braucht anfangs vor allem:
- Zeit,
- Sicherheit,
- und Menschen, auf die er sich verlassen kann.
Wir wünschen Ihnen und Ihrem neuen Familienmitglied von Herzen eine glückliche gemeinsame Zukunft und viele wunderbare gemeinsame Momente.